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Gesundheitsreform

Ist sie ein endloser Vorgang? Wahrscheinlich ja!
Ideal sind Regelungen im Gesundheitssystem, wenn Verwaltungsaufwendungen und Kontrollen erheblich reduziert werden. Dies ist mit selbstregulierenden Maßnahmen erreichbar, auf Grund derer die Beteiligten sich gern mit den Regeln identifizieren, weil deren Vorteile und Richtigkeit sichtbar sind.



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Verantwortung und Würde

Das Solidaritätsprinzip erhalten und schützen.

Ein ganz wertvolles Element in unserer Gesellschaft, um das z. B. in den USA noch gerungen wird, ist das solidarisch strukturierte Gesundheitssystem: Die Gemeinschaft der Versicherten trägt die Risiken der in Krankheit geratenen Mitglieder mit. Zum Alltag der Ärzte und zum Frust vieler Versicherten gehört die Erfahrung, dass Menschen durch Gleichgültigkeit, Mutwillen und Unvernunft ihre Gesundheit zu Schanden machen, d. h. dass diese Versicherungsgruppe ihren Beitrag zur Verantwortung und zur Solidarität eben nicht leistet.

Projekt A:
Finanziell wirklich spürbarer Anreiz zu gesundheitsförderndem Lifestyle (der Geldbeutel motiviert, ärztlicher Rat und Medikamente werden dann als wertvolle Hilfe erlebt).
Es muss sich lohnen, die Gesundheit aktiv zu schützen.
Gemeint sind hier wirklich messbare Größen.

Spürbare Beitragsentlastungen für den Nachweis



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eines normalen Gewichts (BMI, die Beziehung zwischen Körpergröße und Gewicht)
dass der Patient nicht raucht und sich dem Passivrauchen entzieht (Cotinin im Serum; der Nachweis von Nikotinmissbrauch)
dass kein übermäßiger Alkoholkonsum Schäden setzt (CDT im Serum; ein Nachweis für gesteigerten Alkoholkonsum).


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Lebensversicherungsgesellschaften verlangen in ihren Gutachten Größe, Gewicht, Cotinin und CDT. Krebshäufigkeit, chronische Lungen- und Stoffwechselerkrankungen, Hochdruck und andere Krankheiten sind nämlich mit hoher Evidenz mit diesen drei gut erfassbaren Gesundheitsbelastungen korreliert.

Modell:
Wer von den jährlichen Krankenkassenbeiträgen pro Normalbefund 7 %, also insgesamt über 20 % sparen möchte, kann sich zu einem kassenorganisierten, vom Patienten bezahlten Nachweisverfahren anmelden. Die hierdurch fehlenden Krankenkassenbeiträge werden von allen anderen Versicherten bezahlt. Mittelfristig entsteht jedoch ein erheblicher finanzieller Vorteil, auch für die Krankenkassen.

Ergebnis:
Das überfrachtete Gesundheitssystem bekommt Luft für Wesentliches; auch für solide hausärztliche Basisversorgung. Weniger Raucher, weniger Übergewichtige, weniger Missbrauch von Alkohol; weniger Kranke, weniger Leid, weniger Frustration für die gesundheitsbewussten Kassenmitglieder.
Dieses Projekt ist ein Beispiel für selbstregulierende Maßnahmen mit denen man sich identifizieren kann, weil die Richtigkeit sichtbar ist (vgl. o.).



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Projekt B
Ausgliederung der Traumatologie (Diagnose und Therapie von Verletzungen) nach einem Kombinationsmodell von Berufsgenossenschaft / Kfz-Haftpflichtversicherung.
Die berufsgenossenschaftliche Versorgung der Unfälle bei der Arbeit oder auf dem Weg von und zur Arbeit ist ein Erfolgsmodell. Sie sorgt für größere Sicherheit und Unfallvermeidung und die Berufsgenossenschaften starten dafür auch greifbare Initiativen.

Modell:
Die Ausgliederung der gesamten Traumatologie aus der Krankenkassenleistung würde eine erhebliche Reduktion der Krankenkassenbeiträge bedeuten. Die Beitragsgestaltung könnte als private Risikodeckung nach dem Prinzip einer Kfz-Haftpflichtversicherung abgewickelt werden. Die Arbeitsweise sowohl der Berufsgenossenschaften als auch der Kfz-Haftpflichtversicherungen haben sich über Jahrzehnte bewährt und sind selbstregulierende Maßnahmen. Beide haben einen erheblichen Anteil am Rückgang der Unfälle und der Risikofreudigkeit aller Beteiligten.

Ergebnis:
Die Betroffenen werden für den Erhalt eines Schadenfreiheitsrabattes selber sorgen. Bewusst auf Kosten der Solidargemeinschaft eingegangene Unfallrisiken (Sport- und Freizeitverletzungen) machen einen erheblichen Anteil der Kranken- und Rehabilitationskosten, sowie der Verdienstausfallkosten aus. Die Risikobereitschaft wird durch dieses System gedämpft und nicht der Allgemeinheit aufgeladen. Andererseits werden die Versicherungsgesellschaften, wie oben erwähnt, für größere Sicherheit und Unfallvermeidung Initiativen starten. Durchaus könnten unter Einbeziehung der marktwirtschaftlichen Elemente von Versicherungen die bisher erfolgreichen Berufsgenossenschaften diese Funktion übernehmen.

Projekt C
Mit der Darstellung im Kapitel Hausärztliche Versorgung war angestrebt, ein wenig transparenter zu machen wie die Hausärzte arbeiten. Nicht nur bei Patienten sondern auch bei jüngeren Kollegen in der Ausbildungsphase und in den ersten Facharztjahren ist das Tätigkeitsfeld der Hausärzte eine terra incognita - unbekanntes Land, erkennbar daran, dass alle Krankheitsbereiche die den Kollegen fachfremd sind, die aber oft genug unseren diagnostischen und therapeutischen Alltag bestimmen in Arztbriefen "zur Vorstellung beim Dermatologen, Orthopäden, uws." empfohlen werden.

Modell:
Sechsmonatige allgemeinmedizinische Ausbildung in guten qualifizierten Praxen im Rahmen der fachärztlichen Weiterbildung, um die Zusammenhänge und Ganzheitlichkeit der medizinischen Basisversorgung in unausgelesenem Krankengut kennenzulernen.

Ergebnis:
1. Die Ärzte aus den verschiedenen Fachbereichen haben mehr Verständnis füreinander. Sie lernen die Ernsthaftigkeit, Kompetenz und die Schwierigkeiten der hausärztlichen Tätigkeit kennen.
2. Sie lernen einen ärztlichen Tätigkeitsbereich mit überdurchschnittlich hohen, erfolgreichen Behandlungsmöglichkeiten am unausgelesenen Krankgut kennen.
3. Aus beiden Gründen werden eine ganze Reihe Kolleginnen und Kollegen zur Lebensaufgabe machen, was sie auf diese Weise kennengelernt haben.



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04.02.2009,

Anmerkung zur Gesundheitsreform, Projekt A: Der Geldbeutel machts möglich

Eine hochinteresante in Philadelphia, USA, publizierte Studie (Kevin G. Volpp et al. JAMA 2008;300:2631-2637) ergab Folgendes: Eine Gruppe von Übergewichtigen (BMI 30-40) sollte das Gewicht reduzieren ohne dafür finanzelle Vorteile zu erhalten. Die zweite Gruppe wurde durch ein Lotteriespiel zusätzlich animiert, bei dem sie nach erreichen des Zielgewichtes Geld verdienen konnten. Die dritte Gruppe zahlte ein Guthaben ein, bei dem sie nach Erreichen der angestrebten Abnahme um sieben Kilo einen Gewinn erzielen konnte, andernfalls verloren sie das Geld.
Nach 16 Wochen hatten 50% der dritten Gruppe, jedoch nur 10% der ersten Gruppe ihr Ziel erreicht - Wobei sieben Kilo Gewichtsabnahme eine beachtliche Leistung darstellt. Bei einer Nachkontrolle sieben Monate später waren die Gruppenunterschiede immer noch nachweisbar.

Quelle: Medical Tribune vom 09.01.2008



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