Startseite
Aktuelles: Urlaub, Neue Einträge, Veranstaltungen
Unsere Praxis, so finden Sie uns
Hausärztliche Versorgung
Naturheilverfahren
Arbeitszeiten und Terminvereinbarung
Kontaktformular - Rezeptservice
Praxisinfos
Nachrichten und Tipps die weiterhelfen
Über den Tag hinaus: Erfahrungen im Praxisalltag
Galerie
Geschichten aus der Medizingeschichte
Denkansätze in der Medizin
Künftige hausärztliche Versorgung
Gesundheitsreform
Links und Literatur
Impressum

Geschichten aus der Medizingeschichte


Diese "Geschichten" entstehen aus Freude am Erzählen und sie sollen Spaß machen. Um einen historischen Kern herum sehr frei erzählt, sind sie nicht historisch genau, sondern sie sollen zu der sehr interessanten Beschäftigung mit der Medizingeschichte anregen.



Nach oben




Nach oben


Geschichte von der vergessenen Bouillon


Es war an einem sonnigen Samstagnachmittag, als Louis Pasteur in seinem Labor in einem kleinen französischen Örtchen die letzten Vorbereitungen für seinen Versuch traf.
Er war etwas müde von den letzten Wochen und Monaten. Louis Pasteur hatte viel geforscht und ausprobiert und versucht, den Erreger der gefährlichen Hühnercholera zu identifizieren. Sein Labor war eng und klein, aber trotzdem mochte er es gerne. Hier hatte er viele Stunden seines Lebens zugebracht und schon einige Entdeckungen gemacht. Pasteur hatte Chemie studiert, war Professor geworden und war sehr daran interessiert Bakterien zu untersuchen und deren krankmachende Wirkung herauszufinden. In seinem Labor standen hohe Regale mit Gläsern und Flaschen, gefüllt mit chemischen Substanzen und Flüssigkeiten. Der Tisch an dem der Forscher saß, stand voll von Tiegeln, beschrifteten Blättern, Büchern und allerhand Gerätschaften. Gerade hantierte er mit einer Bouillon herum, in der er die Bakterien, die die Hühnercholera hervorriefen, angezüchtet hatte. Er wollte nachweisen, dass genau diese Erreger verursachten, dass Hühner an der sogenannten Hühnercholera starben. Fast taten ihm seine Hühnchen leid, die draußen auf dem Hof herumscharrten und gackerten. Aber Louis Pasteur forschte ja nicht, um die Tiere zu quälen, sondern um ihnen und v.a. den Bauern helfen zu können, die Todesrate der Tiere zu vermindern, indem er herauszufinden versuchte, woher die Erreger kamen. Es war eine arge Plage wenn die Hühner massenhaft an dieser Epidemie starben.
Mit der Bouillon wollte Pasteur eben hinauslaufen und zu den Hühnern gehen, als seine Frau Marie Laurent ihn zum Mittagessen rief. Und da er seine Frau liebte und gleichzeitig sehr Hunger hatte, folgte er ihrem Ruf und ließ die Bouillon auf dem Tisch zwischen all den anderen Sachen stehen...
„Hast du schon gepackt?“ fragte ihn seine Frau, „in einer Stunde geht unser Zug“. Louis Pasteur schlug sich an den Kopf. Eine Stunde noch, dann sollte es per Eisenbahn ans Meer gehen, wo die beiden ihren Sommerurlaub verbringen wollten. „ Oh je, vor lauter Forschen hab ich das komplett vergessen!“ Seine Frau lächelte ihm nachsichtig zu und meinte dass ihm helfen werde. Die beiden aßen und packten die Koffer und hasteten daraufhin zum kleinen Bahnhof des Dorfes, wo der Zug schon sein Signal zur Abfahrt gab. Im Abteil fiel dem zerstreuten Professor dann die Bouillon auf dem Tisch wieder ein...

...nach 3 wunderschönen Urlaubswochen am Meer kam das Ehepaar ins Dörfchen zurück. Pasteur sah die Bouillon auf dem Tisch stehen und beschloss die Hühner nun damit zu infizieren, damit er die Arbeit, die er vor den Ferien begonnen hatte, abschließen konnte.
Es vergingen zwei Tage, drei Tage und die Hühner scharrten und gackerten so fröhlich und fidel wie immer. Es vergingen noch mehr Tage und die Tiere zeigten immer noch keine Anzeichen der gefährlichen Krankheit. Der Forscher dachte bei sich, dass er in Zukunft weniger zerstreut sein dürfe und seufzte schwer. Die Bouillon hatte offensichtlich keine Erreger mehr enthalten und nun musste er mit der Arbeit – dem Anzüchten der Keime – noch mal beginnen. Das dauerte einige Tage, in denen die Hühner immer noch keine Beschwerden zeigten. Dann war der Tag gekommen, an dem alles perfekt war. Die Bouillon mit den Erregern war fertiggezüchtet. Nun infizierte Pasteur die Hühner noch einmal und wartete und wartete...und sah, dass die Hühner weiterlebten ohne krank zu werden. Das war rätselhaft! Der Forscher kratzte sich am Kopf, während er die Tiere beobachtete. Er begann nachzudenken und die Dinge, die in den letzten Wochen passiert waren zusammenzusetzen: Die Tiere waren nicht erkrankt, nachdem Pasteur sie mit den Bakterien infiziert hatte, die über 3 Wochen in der Sonne gestanden hatten. Es mussten also abgeschwächte Keime gewesen sein, die aufgrund der langen Stehzeit kaum noch Lebenskraft besessen hatten. Als er die Hühner nach ein paar Tagen noch mal infiziert hatte, waren sie schon gegen den Erreger immun geworden.
Louis Pasteur hatte damit das Prinzip der aktiven Immunisierung, der Impfung, mehr oder weniger per Zufall entdeckt. Damit hatte er, ohne es zu wissen, zur Vermeidung unzähliger Krankheiten beigetragen und unglaublich vielen Menschen Qualen und den Tod erspart.

B. Kling



Nach oben

Druckbare Version